Ehrenbürger-Urkunde
Konrad Adenauer erhielt am 10. Oktober 1963 die Ehrenbürgerurkunde Berlins. Überreicht wurde sie in einer feierlichen Sitzung des Berliner Abgeordnetenhauses vom Regierenden Bürgermeister und späteren Bundeskanzler Willy Brandt. Anlass war Adenauers Ausscheiden aus dem Amt des Bundeskanzlers.
In seiner Laudatio erwähnte Brandt das spannungsreiche Verhältnis zwischen Adenauer und Berlin einerseits, sowie zwischen dem Kanzler und dem Regierenden Bürgermeister andererseits. Er betonte jedoch, „…dass die deutsche Hauptstadt den Mann ehren sollte, der sich bemüht hat, unserem deutschen Vaterland auf seine Weise zu helfen.“
Adenauer hatte sich während seiner Amtszeit entschieden dafür eingesetzt, dass West-Berlin eng an die Bundesrepublik angebunden blieb. Eine Wiedervereinigung Deutschlands und seiner Hauptstadt war für ihn nur in „Frieden und Freiheit“ denkbar. Seit Beginn der Zweiten Berlin-Krise 1958 mahnte Adenauer, dem Druck der Sowjetunion und der Forderung nach einer entmilitarisierten Stadt nicht nachzugeben. Diesen Einsatz für Berlin als Teil der freien Welt rechneten ihm die Berliner hoch an.
Der Mauerbau im August 1961 stellte Adenauer vor große Herausforderungen: Die internationale Krise um den Status der Stadt spitzte sich zu. Um die Lage nicht zu verschärfen, reiste der Bundeskanzler erst am 22. August, zehn Tage nach Beginn des Mauerbaus, nach Berlin. Zahlreiche West-Berliner reagierten enttäuscht; sie hätten den Bundeskanzler schon früher erwartet. Zugleich markierte der Mauerbau das Ende aller Hoffnungen auf eine Wiedervereinigung in naher Zukunft. Erfolglos protestierte Adenauer in der Folge bei der sowjetischen Führung gegen die „unmenschlichen Absperrungsmethoden.“
Anlässlich des Staatsbesuchs des amerikanischen Präsidenten John F. Kennedy im Juni 1963 bekundeten viele West-Berliner Konrad Adenauer vor dem Schöneberger Rathaus mit „Conny“-Rufen ihre Sympathie. In seiner Dankrede für die Verleihung der Ehrenbürgerwürde schloss Adenauer mit dem Versprechen, sich weiter einzusetzen „…für die Freiheit dieser Stadt und dafür, daß sie bald wieder Hauptstadt eines wiedervereinigten Deutschlands werden möge.“
In der ARD-Mediathek sind mehrere Beiträge zur Verleihung der Ehrenbürgerwürde abrufbar: