Edition

Der Editionsbereich ist für die in der „Rhöndorfer Ausgabe“ erscheinenden Veröffentlichungen aus dem Nachlass Konrad Adenauers zuständig. Daneben beteiligt er sich an der konzeptionellen Planung der „Rhöndorfer Gespräche“ und stellt die Berichtsbände über diese wissenschaftlichen Symposien der Stiftung Bundeskanzler-Adenauer-Haus zusammen.

„Rhöndorfer Ausgabe“
Den schriftlichen Nachlass Konrad Adenauers, „soweit er nicht familiären Charakter hat, zu sammeln, zu pflegen, zu verwalten und für die Interessen der Allgemeinheit in Wissenschaft, Bildung und Politik auszuwerten“, gehört zu den wesentlichen Aufgaben und Anliegen der Stiftung Bundeskanzler-Adenauer-Haus. Die hierzu im Stiftungsgesetz vom 24. November 1978 vorgesehene „Veröffentlichung von Archivbeständen und wissenschaftlichen Untersuchungen“ kann an eine bereits von Adenauer selbst begründete Tradition anknüpfen. So fand in seinen vierbändigen „Erinnerungen“ der letzten Lebensjahre eine Vielzahl damals noch unveröffentlichter Dokumente aus dem eigenen Archiv erstmals Verwendung – „ganz oder auszugsweise abgedruckt oder in ihrer Essenz referiert“ (Rudolf Morsey). Ein Teil dieser Quellen ist der Forschung aufgrund der Verschlusssachen-Bestimmungen auch heute noch nicht uneingeschränkt zugänglich, so beispielsweise die von Adenauer häufiger verwendeten Gesprächsaufzeichnungen und Dolmetscherprotokolle.

Die nach 1970 geleistete erste archivische Erschließung und Verzeichnung des Adenauer-Nachlasses ermöglichte nach und nach den systematischen Zugang zum Rhöndorfer Aktenmaterial (zunächst für die Jahre 1945 bis 1949). Fragen der wissenschaftlichen Auswertung und Grundsätze zukünftiger Publikationen wurden durch die um 1976/77 (anlässlich des 100. Geburtstages bzw. 10. Todestages) intensivierte Adenauer-Forschung aufgeworfen und entwickelt. Auch machte die 1975 eröffnete, 1997 neu gestaltete Ausstellung „Konrad Adenauer – Dokumente aus vier Epochen deutscher Geschichte“ auf zahlreiche Originaldokumente und Exponate aus dem Nachlass Adenauers aufmerksam.

Der gesetzlichen Bestimmung des Jahres 1978 kam die sich im gleichen Zeitraum abzeichnende zeitgeschichtliche Neuorientierung entgegen.

  •  Von 1979 an lief sukzessive die 30-Jahresfrist für die Freigabe von amtlichem Schriftgut aus der Frühzeit der Bundesrepublik Deutschland ab; besonders dadurch wurde die wissenschaftliche Beschäftigung mit den Anfängen der Ära Adenauer wesentlich erleichtert.
  • Öffentliches Interesse und nicht zuletzt Finanzierungsmöglichkeiten für die Bearbeitung und Veröffentlichung des Adenauer-Nachlasses signalisierte parallel dazu der von Volkswagenstiftung 1978 eingerichtete Förderungsschwerpunkt „Deutschland nach 1945 – Entstehung und Entwicklung der Bundesrepublik und der DDR“. Das dort erstellte Konzept enthielt gleich unter mehreren Aspekten Anknüpfungspunkte für die Rhöndorfer Publikationspläne.

Wenn für die VW-Stiftung solche Forschungsvorhaben Vorrang hatten, „die in ihrer Betrachtungsweise die Trennung innen- und außenpolitischer Entwicklung überwinden wollen und dafür die wechselseitigen Verflechtungen zwischen inneren und äußeren Bezügen betonen“, so waren damit auch und gerade die Grundüberzeugungen Konrad Adenauers, seine nach 1945 befolgten politischen Leitlinien und damit zugleich seine Nachlassbestände charakterisiert. Vermitteln doch „die am Rhöndorfer Wohnsitz Adenauers gesammelten Dokumente, die jetzt der Öffentlichkeit Zug um Zug zugänglich gemacht werden“ sollten – so die Historiker Rudolf Morsey und Hans-Peter Schwarz, die seither als Herausgeber die „Rhöndorfer Ausgabe“ betreuen – „einen zentralen Einblick in die unmittelbare Nachkriegsgeschichte, die Entstehung der CDU und des westdeutschen Parteiensystems, die Staatsgründung und den Wiederaufbau, die Diplomatiegeschichte und die Innenpolitik der Ära Adenauer. Sie erschließen das politische Werk und die Persönlichkeit des ersten Bundeskanzlers.“

Modellcharakter mit eben diesen Merkmalen besaßen beide StBKAH-Projekte, die mit großzügiger Starthilfe der Volkswagenstiftung ab Sommer 1980 durchgeführt werden konnten.

  • Zum einen gilt dies für die Auswahl aus dem Briefwerk Adenauers der Jahre 1945 bis 1949; nach einer zweiten Bewilligung (1983) und der Übernahme des Editionsbereichs durch den Bund als Träger der Stiftung Bundeskanzler-Adenauer-Haus (1985) mündete sie in die Edition der Kanzlerkorrespondenz 19491963 ein, deren Veröffentlichung heute vor dem Abschluss steht. Neben dem erheblichen zeithistorisch-inhaltlichen Erkenntnisgewinn erweist sich dabei „der alte Herr wider Erwarten als bedeutender Briefschreiber. Meisterhaft beherrscht er diese heute fast in Vergessenheit geratene Kunst. … Gerade brieflich besaß Adenauer eine breite Palette verschiedenster Ausdrucksformen; vernichtende Objektivität stand ihm ebenso zu Gebote wie persönliche Wärme, ja einfühlsame Herzlichkeit. Er konnte genauso gut einschüchtern, sein Gegenüber Punkt für Punkt festnageln, wie charmant anderen schmeicheln. Alles übrigens immer ganz knapp. Adenauer war schriftlich sparsam: kein Wort zuviel. Niemals unterliefen ihm undurchdachte Floskeln“ (Arnulf Baring).
  • Zum anderen trifft dies auch für die vierbändige, bereits 1992 abgeschlossene Publikation der „Teegespräche“ zu, die für die gesamte Kanzlerzeit Adenauers Aufzeichnungen und stenografische Mitschriften seiner vertraulichen Informationsgespräche mit Journalisten umfaßt. Wie nur wenige andere Quellengruppen ermöglichen es die legendären Kanzlertees, „die im jeweiligen Zeitpunkt verfolgte Politik des ersten Bundeskanzlers zu analysieren. Sie machen aber auch Adenauers Persönlichkeit auf besonders anschauliche Art und Weise lebendig. ... Dass Adenauer ein Meister im Umgang mit Menschen war, ist bekannt. Er war auch ein Virtuose in der Behandlung von Journalisten. Gerade weil er unentwegt argwöhnte, die Presse wolle ihm übel, gab er sich entsprechende Mühe. Wer herausfinden möchte, wie ein Könner in der Kunst politischen Überredens alle Register der Einflußnahme, der gelegentlichen Indiskretion und gezielten Bosheit, der differenzierten Argumentation und der sachlichen Diskussion zieht, kann in den Bänden dieser Edition fündig werden. Die Teegespräche widerlegen übrigens auch die verbreitete Annahme, Adenauer sei ein dialogunfähiger Autokrat gewesen. Das Gegenteil war der Fall. Er setzte sich als Bundeskanzler 14 Jahre lang auch deswegen durch, weil er wußte, wie man ein ergiebiges Sachgespräch zu führen hat. Somit vermittelt diese Quelle nicht allein eine Fülle interessanter Aufschlüsse über die Außen- und Innenpolitik Adenauers. Sie gewährt auch auf denkbar anschauliche Art und Weise Einblick in einige seiner wichtigsten Regierungstechniken, die im Zeitalter vor Einführung des Fernsehens bzw. in dessen Anfängen von ganz erheblichem Gewicht gewesen sind“ (Rudolf Morsey/Hans-Peter Schwarz).

In den historisch-kritischen Adenauer-Editionen geht es vor allem darum, der historisch-politisch interessierten Öffentlichkeit, der Publizistik und der Wissenschaft authentische Quellentexte vorzulegen. Aus der Beibehaltung des damaligen Sprachgebrauchs und der unverwechselbaren Merkmale Adenauerscher Diktion und Stilistik ergibt sich zugleich, dass das Regelwerk der neuen amtlichen Rechtschreibung in der „Rhöndorfer Ausgabe“ keine Anwendung finden kann (auch nicht in den Kommentaren, da sonst die Einheitlichkeit des Gesamtwerks gefährdet wäre).

Die wichtigsten Bearbeitungsschritte lassen sich mit den Erläuterungen der editorischen Vorgehensweise, die dem 1983 vorgelegten ersten Band vorangestellt wurden, so zusammenfassen:

  • „Bei der Festlegung der Editionsprinzipien haben sich Herausgeber und Bearbeiter davon leiten lassen, wissenschaftlich gesicherte Texte vorzulegen. In Anbetracht des umfangreichen Quellenbestandes ist es unumgänglich, eine Auswahl vorzunehmen. Die Entscheidung zum Abdruck ist allein unter Relevanzkriterien getroffen worden. Aus dem Briefnachlass wie von den ‚Teegesprächen’ werden alle Dokumente aufgenommen, die den Herausgebern und Bearbeitern aufgrund langjähriger Beschäftigung mit der Periode, mit der Persönlichkeit und mit dem Werk Adenauers wichtig zu sein schienen: typisch für die Person, charakteristisch für seine Zeit. Somit wird alles, was für das Verständnis Adenauers und seiner Politik unerlässlich erscheint, unverkürzt wiedergegeben. Der Leser hat zugleich die Möglichkeit, sich in die Nachkriegszeit und Aufbauphase der Bundesrepublik Deutschland hineinzuversetzen und die Äußerungen in ihrem zeitgeschichtlichen Kontext zu sehen. Bei diesem Auswahlverfahren wird nur in seltenen Fällen und ausschließlich aus Gründen des Personenschutzes auf die Aufnahme einzelner Briefe und Gespräche verzichtet. Und nur an wenigen, jeweils eigens gekennzeichneten Stellen sind – aus den gleichen Gründen – einzelne Sätze oder Passagen nicht abgedruckt worden.“

Beide Editionsreihen stützen sich naturgemäß vor allem auf die Rhöndorfer Bestände. Je weiter jedoch die Erschließung des Adenauer-Nachlasses voranschreitet, desto stärker ist die Stiftung Bundeskanzler-Adenauer-Haus auf den Vergleich und die Verzahnung ihrer Materialien mit den Überlieferungen zahlreicher nationaler und internationaler Archive und Forschungseinrichtungen angewiesen. In welchem Ausmaß dies den Editionen zugute kommt – und mit welcher erstaunlichen Verbreitung sich in den Nachlässen seiner Weggefährten und Zeitgenossen Adenauer-Dokumente immer wieder neu nachweisen lassen –, zeigt beispielhaft das Verzeichnis ungedruckter Quellen in den zuletzt erschienenen „Briefen 1959-1961“ (in alphabetischer Folge):

 

  • Amherst College Archives, Amherst/Massachusetts: John J. McCloy Papers
  • Archiv für Christlich-Demokratische Politik der Konrad-Adenauer-Stiftung, Sankt Augustin: Akten der CDU-Bundesgeschäftsstelle; Nachlass Theodor Blank; Nachlass Felix von Eckardt; Nachlass Eugen Gerstenmaier; Nachlass Hans Globke; Nachlass Kurt Georg Kiesinger; Nachlass Heinrich Krone; Nachlass Ernst Lemmer; Nachlass Hans-Joachim von Merkatz; Nachlass Gerhard Schröder; Nachlass Josef-Wilhelm Selbach; Nachlass Franz-Josef Wuermeling; 
  • Archiv des Liberalismus, Gummersbach: Nachlass Erich Mende;
  • Archiv der sozialen Demokratie der Friedrich-Ebert-Stiftung, Bonn: Nachlass Willy Brandt;
  • Bundesarchiv Koblenz/Hangelar: Akten des Bundeskanzleramtes; Akten des Bundesministeriums des Innern; Akten des Bundesministeriums für gesamtdeutsche Fragen bzw. innerdeutsche Beziehungen; Akten des Bundesministeriums für Wirtschaft; Akten des Bundespräsidialamtes; Akten des Presse- und Informationsamtes der Bundesregierung; Nachlass Herbert Blankenhorn; Nachlass Heinrich von Brentano; Nachlass Karl Carstens; Nachlass Franz Etzel; Nachlass Ferdinand Friedensburg; Nachlass Karl-Theodor Freiherr zu Guttenberg; Nachlass Walter Hallstein; Nachlass Theodor Heuss; Nachlass Jakob Kaiser; Nachlass Heinrich Lübke; Nachlass Fritz Schäffer;
  • Dwight D. Eisenhower Library, Abilene/Kansas: John Foster Dulles File – General Correspondence and Memoranda Series; Subject Series; Telephone Conversations Series; White House Memoranda Series; Ann Whitman Files: Dulles-Herter-Series; Cabinet Series; International Series; International Trips and Meetings Series; NSC Series; 
  • Fondation Jean Monnet pour l'Europe, Lausanne: Archives Jean Monnet, Bestand AMK: Le Comité d'action pour les Etats-Unis d'Europe (19551975);
  • Harry S. Truman Library, Independence/Missouri: Papers of Dean Acheson;
  • Landeshauptarchiv, Koblenz: Nachlass Peter Altmeier; Nachlass Adolf Süsterhenn;
  • Ludwig-Erhard-Stiftung, Bonn: Nachlass Ludwig Erhard;
  • Lyndon B. Johnson Library and Museum, Austin/Texas: Famous Names-Collection; Vice-Presidential, Security File
  • Pierpont Morgan Library, New York: Dannie N. Heineman Collection;
  • Princeton University Archives, Seeley G. Mudd Manuscript Library, Princeton/New Jersey: John F. Dulles Papers;
  • Public Record Office/The National Archives, London: General Correspondence of the Foreign Office; Prime Minister’s Office;
  • Richard Nixon Library & Birthplace, Yorba Linda/California: Richard Nixon Papers;
  • Yale University Archives, New Haven/Connecticut: Nachlaß Dean Acheson;
  • Einzelkorrespondenz in Privatbesitz: Heinz Pferdmenges, Mönchengladbach; Dr. Anneliese Poppinga, Bad Honnef-Rhöndorf; Brita Roemer, Luxemburg.





Ansprechpartner

Dr. Holger Löttel 
Tel. 02224 -921-200

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