Archiv

I. Geschichte des Archivs der Stiftung Bundeskanzler-Adenauer-Haus

Als sich die Kinder Konrad Adenauers 1967 an die Bundesregierung mit dem Angebot einer Schenkung des Rhöndorfer Hauses zum Zwecke der Gründung einer Stiftung wandten, war von Anfang an auch der dort verwahrte schriftliche Nachlass des Gründungskanzlers der Bundesrepublik Deutschland einbezogen. Die tatsächliche, juristische Übereignung fand während der 70er Jahre statt. Das Errichtungsgesetz der Stiftung von 1978 nimmt auf Nachlass und Archiv ausdrücklich Bezug.
Hinderte die nach dem Bundesarchivgesetz vorgesehene 30jährige Sperrfrist zunächst eine breite Benutzung dieser einmaligen Überlieferung, können zwischenzeitlich die meisten Unterlagen nach einer archivrechtlichen Prüfung interessierten Personen zur Einsicht vorgelegt werden. Anfang der 80er Jahre wurde der größere Teil der Bestände mikroverfilmt.



II. Hauptquellen des Nachlasses

Der Nachlass Konrad Adenauer speist sich hauptsächlich aus zwei Quellen:

1. Das Rhöndorfer Sekretariat
Wie andere Personen der Zeitgeschichte auch hat Konrad Adenauer wichtige, private Unterlagen aufgehoben und in einer bestimmten Ordnung verwahrt. Als er 1945 seine politische Tätigkeit wieder aufnehmen konnte, führte er zunächst seine gesamte politische Korrespondenz über das Rhöndorfer Sekretariat. Auch nach seiner Wahl zum Bundeskanzler 1949 wurden hier viele Schreiben, auch solche politischen Inhaltes, empfangen und beantwortet. Die hierbei entstandenen Unterlagen verblieben zum größten Teil in Rhöndorf.

2. Das Kanzler-Büro im Palais Schaumburg

Im Kanzler-Büro im Bonner Palais Schaumburg, zu Adenauers Zeiten Sitz des Bundeskanzleramtes, wurde unabhängig von der allgemeinen Registratur eine eigene Aktenablage geführt. Sie wurde von Anfang an persönlich auf den Bundeskanzler Konrad Adenauer zugeschnitten. Als er im Oktober 1963 aus dem Amt des Bundeskanzlers ausschied, folgte sie ihm ins Bundeshaus, in dem der nunmehr einfache Abgeordnete Konrad Adenauer seine Büroräume hatte.
Der Charakter der hier entstandenen Unterlagen schwankt zwischen dienstlich und privat-politisch. Eindeutig dienstlich sind etwa Schreiben ausländischer Politiker an Konrad Adenauer in dessen Eigenschaft als Bundeskanzler oder Bundesminister des Auswärtigen (19511955) oder Weisungen des Bundeskanzlers an Mitarbeiter des Bundeskanzleramtes. Eindeutig privat-politisch ist beispielsweise die Korrespondenz über personelle Fragen im Vorfeld einer Regierungsbildung. Der Entscheidung, diese Unterlagen nicht nach „dienstlich“ und „privat-politisch“ zu trennen, sondern statt dessen geschlossen in der Stiftung zu archivieren, lag nicht zuletzt der archivarische Grundsatz des Provenienzprinzips zugrunde, wonach gewachsene Überlieferungsstrukturen nicht gestört werden sollen.


III. Aufbau des Archivs der Stiftung Bundeskanzler-Adenauer-Haus

Das Archiv der Stiftung ist in sechs Bestände gegliedert:

Bestand I (593 Archivalische Einheiten/Faszikel)

Laufzeit: 19171963/1967
Mikroverfilmt
Enthält u.a.:

  • Unterlagen aus der Oberbürgermeisterzeit (19171933);
  • Reden, Informationsgespräche, Interviews (19171967);
  • Regierungserklärungen mit Aussprachen im Bundestag (19491963);
  • Besucherlisten (nachträglich zusammengestellte, tatsächliche Tagesabläufe Konrad Adenauers) (19491967), Terminpläne (19541967);
  • Sitzungsprotokolle des CDU-Bundesparteivorstandes und des CDU-Bundesausschusses und andere Unterlagen zur CDU;
  • Arbeitsunterlagen zu den „Erinnerungen“ Konrad Adenauers;
  • Korrespondenz- und andere Sachakten 19451963;
  • Sammlungen des Presse- und Informationsamtes der Bundesregierung.


Bestand II (120 Archivalische Einheiten/Faszikel)

Laufzeit: 19631967
Mikroverfilmt
Enthält v.a.:

  • Korrespondenz;
  • Sammlungen von Pressestimmen;
  • Unterlagen zur CDU;
  • Reisen Konrad Adenauers.


Bestand III (121 Archivalische Einheiten/Faszikel)

Laufzeit: 19491967
Enthält v.a.:

  • Korrespondenz Konrad Adenauers mit in- und ausländischen Politikern;
  • Gesprächsaufzeichnungen mit in- und ausländischen Politikern;
  • Sachakten zu verschiedenen Themen;
  • Arbeitsunterlagen zu den Erinnerungen.

Zumeist enthalten die Archivalischen Einheiten noch nicht offengelegte Verschlusssachen, so dass sie im Verbund nicht vorgelegt werden dürfen. Benutzern stehen teilweise Kopien zur Verfügung, die keine Verschlusssachen enthalten.


Bestand IV (Urkunden)

Enthält v.a.:

  • Ernennungs- und Entlassungsurkunden
  • Ehrenurkunden; Ehrendoktorwürden; Ehrenbürgerschaften u.ä.
  • Ausweise.




Bestand V (Bildarchiv)

Die ca. 10.000 Photographien und 200 Photoalben sind über zwei Karteien erschlossen. Die eine ist nach den Ereignissen der Aufnahmen, die andere nach auf den Bildern abgelichteten Persönlichkeiten sortiert.



Bestand VI (Private Unterlagen)

Bestand VI unterteilt sich in Bestand VI a und Bestand VI b. Die in Bestand VI a archivierten Unterlagen sind bereits von der Familie Adenauer der Stiftung Bundeskanzler-Adenauer-Haus übereignet worden. Sie können entsprechend der allgemeinen Benutzungsbedingungen eingesehen werden.

Bestand VI b ist nach wie vor Privateigentum der Familie Adenauer und lagert in der Stiftung Bundeskanzler-Adenauer-Haus lediglich als Depositum. Seine Einsichtnahme bedarf der Zustimmung der Familie Adenauer.


IV. Hinweise auf andere Archive

Bei den meisten historischen Fragestellungen zu Konrad Adenauer reicht es nicht aus, nur mit den Beständen in Rhöndorf zu arbeiten. Es sollten daher auch die Archive angefragt werden, welche die Unterlagen derjenigen Behörden und Einrichtungen übernommen haben, in den Konrad Adenauer gewirkt hat:

Die Akten des Kölner Oberbürgermeisters Konrad Adenauer befinden sich im
Historischen Archiv der Stadt Köln. Dies gilt auch für die Akten des Beigeordneten (seit 1906) bzw. Ersten Beigeordneten (seit 1909) Konrad Adenauer.

Von 1921 bis 1933 war Konrad Adenauer Präsident des Preußischen Staatsrates. Die hier entstandenen Unterlagen werden im Geheimen Staatsarchiv Preußischer Kulturbesitz in Berlin verwahrt.

Akten betreffend die Tätigkeiten Konrad Adenauers im Provinziallandtag und Provinzialausschuss der Rheinprovinz befinden sich heute im
Archiv des Landschaftsverbandes Rheinland in Brauweiler bei Köln.

Unterlagen des Parlamentarischen Rates, dessen Präsident Konrad Adenauer in den Jahren 1948 und 1949, liegen zum einen im
Parlamentsarchiv des Deutschen Bundestages in Berlin, zum anderen im Bundesarchiv in Koblenz.

Die Akten des Bundeskanzleramtes wurden vom
Bundesarchiv in Koblenz übernommen.

Von 1951 bis 1955 war Konrad Adenauer auch Bundesaußenminister. Die Unterlagen des Auswärtigen Amtes werden im
Politischen Archiv des Auswärtigen Amtes in Berlin verwahrt.

Unterlagen zur CDU in der britischen Zone und zur CDU-Bundespartei, deren Vorsitzender Konrad Adenauer von 1946 bis 1950 bzw. von 1950 bis 1966 war, werden im
Archiv für Christlich-Demokratische Politik in der Konrad-Adenauer-Stiftung e.V. in Sankt Augustin bei Bonn archiviert.


V. Benutzung des Archives der Stiftung Bundeskanzler-Adenauer-Haus

Archivgut in der Stiftung Bundeskanzler-Adenauer-Haus steht jedermann nach den Vorschriften der
Benutzungsordnung des Archivs der Stiftung und des Bundesarchivgesetzes zur Benutzung offen.
Die Einsichtnahme erfolgt in der Regel vor Ort in die Original-Unterlagen oder in die Mikroverfilmungen. Für letztere steht ein modernes Lesegerät mit Druckfunktion zur Verfügung. In Ausnahmefällen können auch Kopien versandt werden.
Für die Anfertigung von Kopien und anderen Reproduktionen werden Gebühren nach der
Kostenordnung der Stiftung Bundeskanzler-Adenauer-Haus erhoben.


VI. Ansprechpartner

Wichtiger Hinweis: Richten Sie bitte Ihre schriftlichen Anfragen zum Archiv immer allgemein an den „Arbeitsbereich Archiv“ bzw. an
. Wenn Sie sich direkt an einen Mitarbeiter wenden, besteht die Gefahr, dass Ihre Anfrage wegen Urlaub u.ä. längere Zeit nicht bearbeitet wird. 

   

   Dr. Holger Löttel    Tel.: 02224-921-200   

   Melanie Eckert M.A.   Tel.: 02224-921-201 
       
   
Gabriele Büsch     Tel.: 02224-921-202 

   Andreas Polzin B.A.   Tel.: 02224-921-203 

   Öffnungszeiten des Archivs: Mo-Do 8.00 bis 16.45 Uhr, Fr 8.00 bis 14.30 Uhr
   (Anmeldung erforderlich)

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